Nachruf Prof. Dr.-Ing. Siegfried Engler

Das Gießerei-Institut trauert um den ehemaligen Kollegen und Lehrstuhlinhaber Prof. Dr.-Ing. Siegfried Engler.
Geboren am 29. September 1931 in Essen, studierte er von 1952 Hüttenkunde an der RWTH Aachen und schloss sein Studium mit seiner Diplomarbeit über Untersuchun­gen der Benetzung verschiedener Stoffe durch Gusseisenschmelzen ab. Danach ver­blieb er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gießerei-Institut und promovierte 1961 mit Auszeichnung zum Dr.-Ing. mit einer Dissertation über den Erstarrungsverlauf und die Größe und Aufteilung des Volumendefizits bei Gusslegierungen. Im selben Jahr wurde er mit dem renommierten Eugen-Piwowarsky-Preis aufgezeichnet. 1963 wurde er zum Oberingenieur ernannt und habilitierte sich 1965 für das Lehrgebiet Gießerei­wesen. Seine Habilitationsschrift behandelte die Morphologie erstarrender Eisen-Kohlen­stoff-Legierungen. Seine Arbeitsgruppe „Gießen und Erstarren“ befasste sich mit den Bereichen „Schmelzen – Gießen – Erstarren“, „Wechselwirkung Guss­stück/Form“ und „Stranggießen“. Ziel seiner Arbeiten waren die intensive Grundlagen­forschung durch Weiterentwicklung wissenschaftlicher Untersuchungs­methoden, um werkstoff- und verfahrenstechnische Probleme beim Gießen und Er­starren in Zusammenarbeit mit der Industrie zu lösen. Seine wissenschaftlichen Arbei­ten zur Erstarrungsmorphologie von (Nicht-)Eisenmetallen und deren Einfluss auf die gießtechnologischen Eigenschaften etablierten sich als weltweiter Standard.

Professor Engler war über mehrere Jahre Vertreter der Aachener Hochschule im VDG-Vorstand und engagierte sich in den VDG-Fachausschüssen Leichtmetallguss, An­schnitt- und Speisertechnik sowie Ingenieur- und Technikerausbildung. Außerdem en­gagierte er sich über die Maße während seiner gesamten Mitgliedschaft in der AGIFA und wurde 2002 Ehrenmitglied. Als Mitglied im Beirat des Vereins gestaltete er die Geschicke der AGIFA aktiv mit.

Den Mitarbeitern des Gießerei-Instituts, dem er sein gesamtes Berufsleben über (und darüber hinaus) treu war, bleibt er als feinfühliger, belesener und äußerst sympathi­scher Mensch in Erinnerung. Mit seinem besonderen, trockenen Humor schaffte er es, aus jeder Situation das Beste herauszuholen und seine Reden an Kolloquien und den Bursenabenden bleiben in bester Erinnerung.

Besonders hervorzuheben war sein didaktisches Geschick, welches sich in der Begeis­terung, den Fähigkeiten und dem Wissen seiner Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern wiederspiegelte. Wohl deshalb war er auch Lehrbeauftragter an der TU Hannover und Gastprofessor in Buenos Aires, Seoul und Peking.

Am 16. September 1996 schrieb die Gießerei anlässlich seines 65. Geburtstags: „Im Berufsleben von Prof. Engler fanden Forschung und Lehre eine glückliche Synthese, die ihm als Mensch, als Forscher und als Hochschullehrer weit über die Grenzen un­seres Landes Anerkennung und Respekt zuteil werden ließ.“

Prof. Engler verstarb am 9. August 2020 und wurde am 18. August 2020 auf dem Waldfriedhof in Aachen beigesetzt.

Er hinterlässt seine Frau, zwei Kinder und vier Enkelkinder, denen unser tiefes Mitge­fühl gilt.

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